Plattentipps

Jeden Monat neu – die persönlichen Highlights von Markus, Tom und Holger.

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Holger empfiehlt

WOLFGANG MUTHSPIEL, SCOTT COLLEY & BRIAN BLADE - Tokyo

Wenn der österreichische Gitarrist Wolfgang Muthspiel mit dem amerikanischen Bassisten Scott Colley und dem amerikanischen Schlagzeuger Brian Blade musiziert, dann sind Brüder im Geiste beisammen. So feinfühlig, emphatisch und achtsam spielen diese drei Ausnahmemusiker miteinander, dass das Gefühl des Miteinanders sofort auf den Hörenden überspringt. Gebannt lauscht man dem wunderbaren Klang der drei Musiker der den ganzen Raum erfüllt. Dieser Klang wurde von den Dreien in Tokyo im Studio eingefangen und von ECM wunderbar auf CD und LP gebannt. Es ist eine Freude diesen Musikern zu lauschen, die das Trio ganz im Sinne von Bill Evans interpretieren: Es gibt nicht den Solisten und seine Begleiter, sondern drei gleichberechtigte Musiker, die dicht und empathisch miteinander spielen. Viel Spaß beim Entdecken!
Cover von WOLFGANG MUTHSPIEL, SCOTT COLLEY & BRIAN BLADE - Tokyo
Markus empfiehlt

THE DIVINE COMEDY - Rainy Sundy Afternoon

Dieses wunderbar melancholische Album ist zwar schon im September erschienen und ist für mich unverdientermassen innerhalb der großartigen Neuerscheinungen des Jahres 2025 ein wenig zu kurz gekommen. Deshalb jetzt, zum Start des neuen Jahres, noch was Schönes vom letzten Jahr. „Rainy Sunday Afternoon“ ist in der Tat schon das 13. Album von The Divine Comedy. Hinter der Band steckt Neil Hannon, für mich einer der poetischsten und feingeistigsten Songschreiber aus UK. Das neue Album bringt mit jedem der 11 Titel die Stimmungen eines verregneten Sonntags auf den Punkt. Da gibt es viel Nachdenkliches (The Last Time I Saw The Old Man), Britisch Skurriles (The Man Who Turned Into A Chair) oder auch politisch Kritisches (Mar-A-Lago by the Sea). Alles in allem ist es eines der schönsten Alben des Jahres 2025, ganz besonders für die verregneten Wochenenden...
Cover von THE DIVINE COMEDY - Rainy Sundy Afternoon
Tom empfiehlt

SELF ESTEEM - A Complicated Woman

A Complicated Woman ist ein Album, das Pop nicht als Flucht, sondern als kraftvollen Ort der Selbstvergewisserung begreift. Rebecca Lucy Taylor , aka Self Esteem verbindet emotionale Offenheit mit musikalischer Größe und schafft ein Werk, das zugleich persönlich und gemeinschaftlich wirkt. Wie Frauen, die vorschnell als „kompliziert“ dargestellt werden ist auch das Album musikalisch reich und vielschichtig. Elektronische Beats, House-Elemente und schwebende Synthesizer treffen auf dichte Arrangements und immer wieder auf eindrucksvolle Chorsätze. Dieser achtköpfige Chor ist zentral für die Wirkung des Albums: Sie verleihen den Songs eine hymnische, beinahe zeremonielle Qualität und verstärken die emotionalen Aussagen auf beeindruckende Weise. Textlich überzeugt A Complicated Woman durch große Ehrlichkeit. Taylor schreibt über Selbstzweifel, Begehren, Scham und Selbstermächtigung, ohne zu vereinfachen oder zu moralisieren. Ihre Texte erlauben Widersprüche und Ambivalenzen und zeichnen ein realistisches Bild davon, wie komplex es ist, sich selbst in einer von Erwartungen geprägten Welt zu behaupten. Diese Offenheit macht das Album so zugänglich und stark. Aber gerade durch diese Offenheit wirkt die Sängerin in ihren Texten meist weniger verletzlich als geradezu unbesiegbar. Wie eindrucksvoll diese Songs live funktionieren, zeigte der Auftritt bei „Later… with Jools Holland“, durch den mir Self Esteem überhaupt erst aufgefallen ist. Taylor stand nicht isoliert im Mittelpunkt, sondern eingebettet im genannten Chor, der ihre Botschaften trug und verstärkte.

Ein Album, das Mut, Gemeinschaft und emotionale Wahrhaftigkeit feiert.

Cover von SELF ESTEEM - A Complicated Woman

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